
900 Kalorien
…eine Vision wenn sie eintrifft , sich erfuellt, Gegenwart und dann schliesslich Vergangenheit wird ist keine Vision mehr…….nur noch ein Ereignis.
Die Installation 900 Kalorien fuehrt den Betrachter vom ersten Schritt an auf ungewohntes Terrain. Der sonst unbeachtete Boden des Ausstellungsraums mit Rasen bewachsen und vollstaendig bedeckt, bringt einen sowohl koerperlich zum Straucheln durch weichen ungewohnt unsicheren Grund, als er auch die Raeume mit dem Draussen verbindet, einen surrealen Kontrast birgt von einer abstrakten Natuerlichkeit mit Heugeruch und kuenstlichem Licht.
Die Bilder, eingefrorene Schnappschuesse einer gestellten Szenerie durch die zurueckhaltende Farbigkeit und schlichte Malweise realistisch, fotografisch.
Eine Serie von insgesamt 14 Arbeiten mit aehnlichem Sujet, wie musikalische Variationen auf ein wiederkehrendes Thema.
Das letzte Bild dieser Serie wurde im Prozess abgebrochen, bewusst unvollendet belassen, und verhaelt so schmerzhaft In Disharmonie.
Reduzierter Auftrag und sehr eingeschraenkte Auswahl der Farben, geben diesen Arbeiten eine Zerbrechlichkeit, die dem sensiblen Motiv Rechnung traegt.
Der Mensch schlafend, vielleicht tot, am Boden, offenbar niedergestreckt von dem was ihm widerfahren ist, das Maedchen abwartend was sich als naechstes offenbart, beide gemeinsam einen Weg beschritten, der hier zu Ende geht.
Das Positiv offenbart visuell, was das Negativ zurueckhaelt, die Lebendigkeit der Koerper, die sich, wie sich jetzt erschliesst, aus der Zweidimensionalitaet der Leinwand erheben.
In gleicher Position verharrend birgt das Dunkle doch auch die Farben in sich und laesst auf anderen Ausgang hoffen.
Die einerseits realistischen, andererseits durch die offensichtlich komponierte Szene, die zeichenhaften Positionen der Koerper stark malerisch phantastischen
Arbeiten fuehren ebenfalls ins Draussen, vielleicht in das eines Buches oder Films, eine Geschichte die fasziniert und doch in der Distanz des Beobachters abstrakt gelesen werden kann.
Der Mann am Boden, ist es derselbe?
… rennt durch Nuernberg, verliert seine Frau, seine Tochter, seine Freunde, all das was sein Leben war, erlebt durch schicksalhafte Begegnungen eine moderne Initiation durch tatsaechliches Leid, ohne fuehrende Hand durch Priester oder Paten.
So wie er sich in Wirklichkeit in einem Raum befindet
–welcher Raum zu welcher Zeit? –
und nicht unter rotem Himmel, den Stepper bis zur Erschoepfung maltraetierend, bleibt die Herkunft der Geschichte undurchsichtig wie die Identitaet des Protegonisten.
Die Erzaehlung nimmt einen gefangen, man geht die Wege, bangt mit ihm, durch die Strassen auf dem Weg dem Schicksal zu folgen oder zu trotzen, immer wieder in die Realitaet zuerueckgeworfen, ernuechtert durch Innehalten und Zaehlen der verbrauchten Kalorien, die ihn das Training kostet, die Geschichte, oder das tatsaechliche Erlebnis gekostet hat.
Offensichtlich ist ihm Pruefung und Haerte des Lebems widerfahren,das Leiden ist authentisch, doch ob die Bilder der Narration nicht auch Parabeln, malerische Kommunikation des nicht Verstehbaren sind bleibt ungewiss.
In dieser Geschichte ist er derjenige, der diese Bilder malt, gemalt hat, die
Trennung von seinen Lieben und den Tod seiner Jugend vorausgesehen, visionaer gebildet und gefangen und die Erfahrung machen muss, dass das Drama seines Lebens, von ihm im voraus magisch erahnt, zu einem Ereignis wird, das nicht den Schrecken, jedoch das Magische durch das tatsaechliche Eintreffen nicht bestaetigt, sondern im Gegenteil verliert.
Im Konzept derArtists Anonymous bildet diese Installation einen wichtigen Dreh und Angelpunkt , die Entscheidung von Abstraktion und Verfremdung durch ausschliesslich malerische Mittel zur Integration von halb dokumentarischen Fragmenten, beabsichtigter Verfaelschung der Wirklichkeit und andererseits bewusster Inszenierung von Narrationen verschiedener Schichten;
durch ganze Serien von Installationen und Ausstellungen der Geschichte folgend, die die aeusseren und die inneren Welten zu einer verbinden.
Die Protagonisten und Mitglieder dieses lebensgrossen Konzeptes willigen ein, ihr Leben, in den Dienst der Kunst gestellt, von dieser vereinnahmen zu lassen, sich selbst zu verlieren um die Gestalten dieser Welt mit Leben zu erfuellen